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AG Backhaus
„Hahler“, „Wösch“ und „Kess“ - wer kann heute mit diesen Bezeichnungen noch etwas anfangen?
Die jüngere Generation wohl kaum, aber wie sieht es bei den älteren Mitbürgern aus?
Früher standen in den Ortschaften Backhäuser und man konnte dem Bäcker über die Schulter schauen. In vielen Häusern gab es damals ebenfalls Backöfen. Das Getreide wurde oftmals selbst angebaut und zum Müller gebracht, der es zu Mehl weiter verarbeitete. Die Frauen bereiteten in mühevoller Handarbeit den Teig zu, der anschließend gebacken wurde.
Nicht wie heute, computergesteuert mit digitaler Anzeige und exakter Temperaturvorgabe. Nein, eben wie früher, im herkömmlichen Holzbackofen.
Ein solcher Holzbackofen schlummerte viele Jahre unbenutzt im alten Leanne Backhaus in Oberndorf. Im Hinblick auf die 650 Jahrfeier der beiden Ortschaften Rüppershausen und Oberndorf in 2015 wurde der Eigentümer des Leanne’schen Anwesens, Willi Mengel aus Bergheim angesprochen, ob man das Backhaus wieder zum Brotbacken herrichten dürfe.
Er gab sofort seine Zustimmung zu dem nicht ganz einfachen Projekt. Es folgten mehrere Entrümpelungsaktionen, wobei sehr genau zwischen wertlos und erhaltenswert unterschieden wurde. Anschließend ging es an die Aufbereitung des Gebäudes. Viele Fensterscheiben waren zertrümmert, die Treppe in das erste Stockwerk war im unteren Bereich durchgefault und musste ausgebessert werden.
In den beiden oberen Räumen lebte früher der Bäckermeister Hermann Mengel mit seiner Frau und den drei Kindern Walter, Heinrich und Georg. Die Trennwand zum Treppenhaus musste erneuert werden. Bei starken Regenfällen lief das Wasser aus der bergseitigen Wand über den Fußboden nach draußen. Der Putz bröckelte von den Wänden und Kabel hingen herum. Die Backofentür war fest gerostet und musste erneuert werden und die darüber liegende Rauchgasklappe war überhaupt nicht mehr zu bewegen.
Aber was wollte man verlangen, wenn 44 Jahre lang unzählige Liter Regenwasser durch den Schornstein eingedrungen waren und sich die Feuchtigkeit überall ausgebreitet hatte. Der Schornsteinfeger stellte noch einige Risse im Backofenmantel fest. Sie mussten verschlossen werden, um nicht durch Funkenflug die darüber liegende Holzbalkendecke in Brand zu setzen.
An dieser Stelle müssen einmal ganz deutlich die handwerklichen Fähigkeiten vieler Personen erwähnt werden, die bei der Renovierung unentgeltlich mitgeholfen haben. Es würde den Rahmen dieser Zusammenfassung sprengen, alle Helfer namentlich aufzuführen. Stellvertretend für die fleißigen Hände vieler anderer sollen hier aber Werner Benfer und Siegfried Bätzel als „Mädchen für alles“ genannt werden. An dieser Stelle aber:
„Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Helfer!“
Nach der Stilllegung des Backbetriebes und dem Auszug der Bäckerfamilie Hermann Mengel im Dezember 1969 war es dann am 08. Mai 2014 wieder soweit: Brotduft über Oberndorf, allerdings mit bescheidenem Ergebnis. Von den 32 „eingeschossenen“ Brotlaiben waren nur 5 Stück zu gebrauchen, alle anderen waren rabenschwarz wie „Negerküsse“. Daher stammt wohl der Ausspruch: „Ein Schuss in den Ofen!“ Hier musste also noch, wie schon von anderer Stelle prophezeit wurde, geübt werden. Weitere Backtage brachten bald bessere Ergebnisse, hat doch jeder Holzbackofen seine eigene Charakteristik, die es zu erforschen gilt. Der Brotteig wurde jedes Mal vom Feudinger Bäckermeister Wilhelm Müller geliefert, der auch bei anderen Backtagen mit Pizza und Blechkuchen helfend zur Seite stand.
Einen weiteren Rückschlag gab es im Herbst 2014. Nach einem Kuchen-Backtag, Anlass war die Fertigstellung der Oberndorfer Straße, hatten sich Schamottsteine aus dem Backofengewölbe gelöst und waren ausgebrochen. Jahrelange Feuchtigkeit hatte den Mörtel des Gewölbes zermürbt, das Aufheizen des Ofens hatte dann Spannungsrisse erzeugt, die zum Defekt führten.
In dem 77-jährigen Maurer Hermann Strack aus Feudingen konnte dann „ein Fachmann der alten Schule“ mit viel Erfahrung gefunden werden, um die Reparatur des Backofens anzu- gehen. Der Ofenmantel wurde vorsichtig von oben geöffnet und alle losen Schamottsteine entfernt, bis ein mehr als ein Quadratmeter großes Loch im Backofengewölbe klaffte. Dann wurde mit viel Improvisationsgeschick und zwei Spindel-Wagenheber vom Schrottplatz in Raumland eine Schalung in den Backofen gebaut. Sie musste schließlich das Gewicht der Steine und das der stellenweise 40 cm starken Lehmschicht tragen. Der Aufbau des Gewölbes zog sich von Mitte Dezember 2014 über die Heiligen Tage bis Anfang Januar 2015. Es kam nicht nur Schamottmörtel unterschiedlicher Körnung zum Einsatz, sondern auch „Heuspeis“. Das ist ein Gemisch aus Lehm und Wasser, dem kurz geschnittenes Heu eingestreut und untergemischt wird, um die Bildung von Rissen zu minimieren. Früher wurde dieser thermischen Trennschicht zur besseren Wärmeisolation auch Kuhscheiße beigemischt. Wir haben uns entschieden, darauf zu verzichten.
Ab Mitte Februar 2015 begann dann wieder der Übungsbetrieb. Wenn man Brot in einem Holzbackofen backen möchte, wird zuerst mit einem Holzfeuer der Backofen auf eine ausreichende Temperatur gebracht. Sobald das Holz weitestgehend verbrannt ist, wird mit dem „Kess“ die Glut und die Asche aus dem Backofen gezogen. Danach erfolgt der Einsatz des „Wösch“. Wösch kommt von „wischen“. Und zwar wird mit einem nassen Sack, der an einer langen Holzstange befestigt ist, der Backofen von den Glutresten befreit, indem sie zur Seite gewischt werden. Anschließend werden mit dem „Hahler“, einem keilförmigen Holzbrett, ebenfalls an einer langen Stange, die Brote in den Backofen geschoben, „eingeschossen“ und auch anschließend wieder mit ihm herausgeholt.
Eine große Herausforderung steht allerdings noch in der Zukunft an, nämlich die eigenständige Zubereitung des Brotteiges. Man darf also weiterhin gespannt sein!
Am Donnerstag, zur Sternwanderung gibt’s hier FRISCHE BAGGESPIZZA - LECKER !
Oberndorf im Februar 2015, Dietmar Stiller
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